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SUMMARY:Da sitzen 3 im Zucker und spielen Schriftsteller
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DESCRIPTION:Da sitzen drei im Zucker und spielen Schriftsteller  \n  \nEs 
 ist 5.05 Uhr. Irgendwann verliert man den Überblick. Sitzen wir hier zum 
 fünften oder zum sechsten Mal? Saßen wir schon immer im Zucker? Das kann
  doch nicht sein! Wie viel hat uns das gekostet? Fünf oder sechs Wochen L
 ebenszeit eben. Sechshundertsiebenundsiebzig Nervenstränge\, das sägt ab
 er auch immer\, wenn man da sitzt. Eintausendzweihunderfünfzig Euro etwa.
  Naja\, durch drei. Dann geht es wieder. Über die Jahre verkraftet man da
 s locker. Also Robin\, schreib´ nur einen kurzen informativen Text. Was G
 riffiges\, was Witziges\, komm schon. Die Leute halten nicht durch\, du we
 ißt das doch.  \n  \nEs ist 5.07 Uhr. Der Laptop ist aufgeklappt. Kaffeed
 ampf aus der Tasse. Ich stehe im Herrngarten vor dem Schachbrett\, dort wo
  die Leute nachmittags den Läufer ziehen und laut „Schach“ rufen. Jem
 and wird dann energisch den Kopf schütteln und mit dem Springer parieren.
  Das hätte der andere nicht gedacht. Der Springer! „Oh\,“ wird jemand
  sagen und denken\, er hätte den Zug selbst gern gesehen. Die Sonne ist n
 och nicht aufgegangen. Junge\, es ist kalt. Das hätte ich wiederum nicht 
 gedacht. Keine Socken an und mit T-Shirt ist es kalt. Wie soll ich pariere
 n? Wenn ich ohne die Kinder unterwegs bin\, denke ich\, die Leute müssten
  denken\, ich sei obdachlos. Wie beruhigend das niemand hier ist. Später 
 gehe ich mit den Kindern raus\, bloß ein Vater\, denken die Leute dann. N
 iemand wird denken: Da spielt einer Vater. Aber jetzt schreibe ich kurz\, 
 spiele Schriftsteller. Auf einer Bank stehen zwei leere Flaschen Vodka\, e
 ine Papiertüte\, zwei Fleischbällchen\, Zwiebelringe\, sogar Tomate auf 
 dem Boden\, Überbleibsel der Nacht. Sie müssen hier einen netten Abend v
 erbracht haben\, bevor ihnen aufging\, wie spät es ist. Gehen wir besser 
 nach Hause. Eine Unachtsamkeit\, so vergisst man alles. Ich kann ihnen den
  Krempel nicht nachtragen. Sie haben keine Adresse hinterlassen. Vier Ente
 n stehen schlafend auf der Wiese\, stehen bloß hier ´rum. Gibt nichts an
 deres zu tun. Den Enten kann ich nicht helfen\, lasse sie links liegen\, b
 zw. stehen. Sieht gemütlich aus\, bevor die Leute ihnen den Park wieder n
 ehmen. Ach\, man teilt sich das ja.  \nEs ist 5.09 Uhr. In dreißig Minute
 n scheint die Sonne auf meinen Hinterkopf. Davon haben aber die Füße wie
 der nichts. Die Hände sind kalt\, es tippt sich umständlich. Aber es rei
 cht. Schluck Kaffee. Muss noch was anderes schreiben. 5.11 Uhr.   \nWahrsc
 heinlich erzähle ich das alles nur\, um das bisschen Wahnsinn\, das doch 
 zweifelsfrei zum künstlerischen Schaffen gehören muss\, aufzuzeigen. Sag
 t man doch so: Genie und Wahnsinn. Ach\, wäre das gut Genie zu sein. Aber
  nicht zu sehr Wahnsinn bitte\, sonst klappt das mit dem Vatersein wieder 
 nicht. Balance wäre gut.   \nJa\, wäre gut\, wenn ich die Veranstaltung 
 erläutert hätte. Wir sitzen hier zu dritt eine Woche lang. Zum fünften 
 oder sechsten Mal\, jedes Jahr eine Woche. Ich könnte nachgucken. Ach\, d
 as ist alles sehr umständlich.   \nJetzt joggt doch tatsächlich hier ein
 er vorbei. Die Leute müssen verrückt sein. Nicht wir sind verrückt\, di
 e Leute sind es. Wer verrückt ist\, oder es sein will\, der komme vorbei.
  Nachhaltige Schäden erwünscht? Wir sind für Sie da! Der Jogger hat sog
 ar komisch geguckt. Ich strahlte ihn an. Verrückt bist du doch\, dachte i
 ch.  \n  \nJedenfalls hat einer der drei Schriftsteller Spieler kürzlich 
 sein zweites Buch veröffentlicht. Bitte kauft es\, es ist überall erhäl
 tlich\, auch bei der Veranstaltung. Es heißt: Bloß ein paar Anmaßungen.
  Ich hebe das mal fett hervor. Bloß ein paar Anmaßungen. Das Buch ist re
 cht schön. Und da ist auch ein Text über den Darmstädter Hinterhofflohm
 arkt abgedruckt. Was war der Text lustig\, was haben die Leute da schon dr
 über gelacht! Und eine kleine Mail an die Leitung der ULB ist da auch dri
 n. Werbung muss sein. Mein Verleger freut sich darüber immer. Dabei träg
 t er allein ja das unternehmerische Risiko. Ich könnte mich einfach zurü
 cklehnen.   \nJetzt läuft der Jogger hier wieder vorbei und guckt nochmal
 \, was ich hier mache. Mensch! Das ist Business\, Aktien und so\, oder Bus
 inessplan\, remote\, outdoor-office. Gute Idee\, denkt er sich. Frische Lu
 ft. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Morgen steht er neben mir\, so wie ich 
 selbst manchmal neben mir stehe. Ist putzig\, ade\, bzw. bis dann! Mir ist
  es zu kalt. Aber die Sonne scheint mir auf den Hinterkopf.
LOCATION:Zucker\, Liebfrauenstraße 66\, 64289 Darmstadt
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